Gasfreigabe über den Reglerkontakt? Warum viele Bestandsanlagen heute überprüft werden sollten
In zahlreichen gastronomischen Küchen wird die Gasfreigabe noch immer über einen Kontakt am Drehzahlregler des Abluftventilators realisiert.
Diese Lösung war über viele Jahre hinweg weit verbreitet und ist deshalb auch heute noch in vielen Bestandsanlagen anzutreffen.
Auf den ersten Blick erscheint das logisch:
Wird die Lüftungsanlage eingeschaltet, wird auch die Gasversorgung freigegeben.
Bei genauerer Betrachtung zeigt sich jedoch ein entscheidender Unterschied zwischen dem eingeschalteten Zustand eines Reglers und dem tatsächlichen Nachweis einer funktionierenden Abluftanlage.
Genau dieser Unterschied ist für die Sicherheit in gewerblichen Küchen von großer Bedeutung.
Was der Reglerkontakt tatsächlich überwacht
Ein Reglerkontakt liefert lediglich die Information, dass ein Drehzahlregler aktiviert wurde.
Er sagt jedoch nichts darüber aus,
ob der Ventilator tatsächlich läuft,
ob die erforderliche Luftmenge gefördert wird,
ob Klappen geöffnet sind,
oder ob die Abluftanlage insgesamt ordnungsgemäß funktioniert.
Der Kontakt bestätigt also lediglich einen Schaltzustand.
Die tatsächliche Funktion der Abluftanlage wird dadurch nicht überwacht.
In der Praxis bedeutet das:
Der Regler kann eingeschaltet sein, während gleichzeitig eine Störung innerhalb der Anlage vorliegt.
Wo das Risiko entsteht
In einer gewerblichen Küche entstehen beim Betrieb gasbetriebener Geräte Verbrennungsprodukte, die sicher abgeführt werden müssen.
Damit dies zuverlässig funktioniert, muss die Abluftanlage jederzeit ausreichend Leistung bereitstellen.
Kommt es beispielsweise zu einem Defekt des Ventilators, einer blockierten Luftführung oder einer anderen Störung, kann die notwendige Abluftleistung nicht mehr gewährleistet sein.
Wird in einem solchen Fall lediglich der Reglerzustand überwacht, bleibt die Gasfreigabe unter Umständen weiterhin aktiv.
Genau deshalb ist die tatsächliche Überwachung der Abluft von zentraler Bedeutung.
Es geht nicht darum, ob eine Anlage eingeschaltet wurde.
Es geht darum, ob die Anlage ihre Aufgabe tatsächlich erfüllt.
Warum sich die Anforderungen verändert haben
Die technische Entwicklung im Bereich der Küchenlüftung hat in den vergangenen Jahren deutlich an Bedeutung gewonnen.
Dabei wurde zunehmend erkannt, dass eine reine Überwachung des Reglerzustands nicht ausreichend ist, um die sichere Funktion einer Küchenabluftanlage zu beurteilen.
Deshalb wurde bei der Überarbeitung des DVGW-Arbeitsblatts G 631 der Fokus auf die tatsächliche Überwachung der Abgas- und Abluftabführung gelegt.
Entscheidend ist heute nicht mehr die Frage:
„Ist die Anlage eingeschaltet?“
Sondern:
„Ist ausreichend Abluft vorhanden?“
Diese Betrachtungsweise schafft ein deutlich höheres Sicherheitsniveau und berücksichtigt die tatsächlichen Betriebsbedingungen einer Anlage.
Die Rolle von Differenzdruckwächtern

Um die vorhandene Abluft zu überwachen, kommen häufig Differenzdruckwächter zum Einsatz.
Ein Differenzdruckwächter misst die Druckverhältnisse innerhalb des Systems und kann bei korrekter Planung, Montage und Einstellung feststellen, ob die erforderlichen Betriebsbedingungen erreicht werden.
Dadurch wird nicht lediglich ein elektrischer Schaltzustand bewertet.
Vielmehr wird überprüft, ob die Lüftungsanlage tatsächlich die Voraussetzungen für einen sicheren Betrieb erfüllt.
Genau darin liegt der entscheidende Unterschied.
Während der Reglerkontakt lediglich eine Schalthandlung signalisiert, liefert ein Differenzdruckwächter Informationen über die tatsächliche Funktion der Abluftanlage.
Warum Bestandsanlagen besonders interessant sind
Ein großer Teil der heute betriebenen Gastronomieküchen wurde vor vielen Jahren errichtet.
Viele dieser Anlagen arbeiten zuverlässig und erfüllen ihre tägliche Aufgabe.
Dennoch lohnt sich ein genauer Blick auf die eingesetzten Sicherheits- und Überwachungskonzepte.
Denn häufig wurden Lösungen umgesetzt, die dem damaligen Stand der Technik entsprachen, heute jedoch kritisch hinterfragt werden sollten.
Für Betreiber bedeutet dies die Chance,
- bestehende Risiken zu identifizieren
- die Betriebssicherheit zu verbessern
- technische Anlagen zu modernisieren
- zukünftige Anforderungen frühzeitig zu berücksichtigen
Für Fachunternehmen eröffnet sich gleichzeitig die Möglichkeit, Bestandskunden aktiv anzusprechen und konkrete Optimierungsvorschläge zu unterbreiten.
Modernisierung statt kompletter Neubau
Viele Betreiber gehen zunächst davon aus, dass eine technische Verbesserung zwangsläufig hohe Investitionen bedeutet.
In der Praxis zeigt sich jedoch häufig, dass gezielte Anpassungen einzelner Komponenten bereits einen erheblichen Mehrwert schaffen können.
Gerade die Überwachung der tatsächlichen Abluftsituation bietet oft Potenzial, bestehende Anlagen technisch aufzuwerten und zusätzliche Sicherheit zu schaffen.
Dadurch lassen sich vorhandene Systeme sinnvoll weiterentwickeln, ohne die gesamte Lüftungsanlage ersetzen zu müssen.
Mehr Sicherheit durch Wissen
Ein wesentlicher Erfolgsfaktor bei der Modernisierung von Küchenabluftanlagen ist das Verständnis der zugrunde liegenden Zusammenhänge.
Wer den Unterschied zwischen einem eingeschalteten Regler und einer tatsächlich nachgewiesenen Abluft erkennt, kann Risiken besser bewerten und fundierte Entscheidungen treffen.
Genau deshalb ist Wissenstransfer ein wichtiger Bestandteil moderner Lüftungstechnik.
Nicht jede bestehende Lösung ist automatisch falsch.
Aber jede bestehende Lösung sollte regelmäßig hinterfragt werden, wenn sich Anforderungen, Normen oder technische Möglichkeiten weiterentwickeln.
Fazit
Die Ansteuerung von Gas-Magnetventilen über einen Kontakt am Drehzahlregler ist in vielen Bestandsanlagen noch anzutreffen.
Der Reglerkontakt bestätigt jedoch lediglich, dass ein Regler eingeschaltet wurde.
Er liefert keinen Nachweis darüber, ob die Abluftanlage tatsächlich funktioniert oder ausreichend Abluft vorhanden ist.
Moderne Überwachungskonzepte setzen deshalb auf die tatsächliche Kontrolle der Abluftsituation.
Differenzdruckwächter können hierbei einen wichtigen Beitrag leisten und helfen, die Betriebssicherheit gewerblicher Küchen zu erhöhen.
Gerade bei Bestandsanlagen lohnt sich daher eine technische Bewertung.
Häufig lassen sich bereits mit überschaubaren Maßnahmen Sicherheitsniveau, Zukunftsfähigkeit und Anlagenqualität deutlich verbessern.
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